Schudack-Bedachungen
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Presseinformationen

Gut  40  Meter  hoch  über Wolframs-Eschenbach weht ein eisiger Wind. Auf dem Baugerüst rund um den Turm des Liebfrauenmünsters  lagern  fein  säuberlich sortiert  kleine  Stapel  mit  Dachziegeln,  manche  sind  grün-weiß, andere  ganz  grün  oder  schwarz. Jeder  Ziegel  ist  ein  Unikat  und
trägt eine kleine Aufschrift. Unter Anleitung von Dachdeckermeister Peter Schudack hebt ein Mitarbeiter einen Ziegel hoch auf dem „S 40 2“ steht. Er findet seinen Platz auf der Südseite des über 20 Meter hoch aufragenden Turmhelms, kommt in die  40.  Reihe  von  unten  an gezählt  und da  an  Position  zwei. „Das einmalige hier sind die Muster,die  Formen  und  die  Farben“, schwärmt Schudack.  In  seiner langen Karriere hat er schon viele Dächer gedeckt, auch Kirchtürme.

Doch am Liebfrauenmünster wartet eine  große  Herausforderung  auf ihn und sein Team: Das Dach wird originalgetreu  wieder  eingedeckt mit neuen Ziegeln die verschiedene Wappen  und  Symbole zeigen.Bereits fertig ist der Bischofsstab,weiß  auf  rotem  Hintergrund. Der war in dieser Form bisher nicht auf dem Dach zu sehen. „Das ist ein Zeichen des Danks an die Diözese Eichstätt“,  erklärt Pfarrer Jochen Scherzer. Die Diözese fördert die rund  1,1  Millionen  Euro  teure Sanierung mit einem Löwenanteil von über 600.000 Euro.
BEI 1.200 GRAD IM OFEN Andere  Wappen  werden  so  rekonstruiert, wie sie seit der letzten
Neueindeckung 1956 auf dem Turm zu sehen waren. So wird es wieder das  Visier  des  Ritters Wolfram geben, einen schwarzen Adler auf goldenem Grund, und das Wappen des Komturs Sinom von Leonrod. Die  Deutsche  Stiftung  Denkmalschutz,  aus  der  ebenfalls Fördergelder fließen, weist in einemGutachten darauf hin, dass „auch schon zuvor eine Eindeckung mit farbigen
Ziegeln und Wappendarstellungen vorhanden“ war, was Fotos aus dem Jahr 1936 belegen. 
Beim  Ortstermin  legen  die Dachdecker gerade ein schwarzes Kreuz  auf  weißem  Grund  an  die
Südseite. Alle Ziegel sind in enger Absprache  mit  dem  Amt  für Denkmalschutz von der Firma Erlus gefertigt worden. Wie Projektleiter geschaltet,  die  Pfarrangehörigen informiert  und  befragt. Fast  alle waren sich schnell einig: Das Dach muss in seiner einzigartigen Form erhalten werden. „Wir machen es so, wie es bereits unsere Vorfahren gemacht haben“, begründet Scherzer
die Entscheidung. Bei handelsüblichen Dachziegeln (ohne Wappen) wären  die  Kosten  wesentlich 
geringer geblieben. Jetzt schlagen alleine  die  eigens  gefertigten Dachziegel  mit  mehr  als  einer
halben Million Euro zu Buche, wie Architektin Barbara Geißel mitteilt.Sie  hat  die  Planungen  für  die Ziegeleindeckung erstellt, hat die alten  Wappen  fotografiert,  die Skizzen  für  die Zegelbrennerei gefertigt  und  auch  einige  kleine Änderungen  eingeführt.  Neu  ist nicht  nur  das  Wappen  mit  dem Bischofsstab  sondern  auch  eine Jahreszahl.  Bisher  stand,  aus 
farbigen  Ziegeln  gelegt,  auf  dem achteckigen  Turmdach  1450,  das Jahr in dem der Turmbau vollendet wurde.  Neueste  Untersuchungen kommen  jedoch  zu  dem  Schluss,
dass  erst  1468  alles  fertig  war. Also steht künftig diese Jahreszahl in luftiger Höhe.Der Wind wird kälter, zumindest gefühlt. Die Dachdecker sind davon unbeirrt,  legen  weiter  Ziegel  um
Ziegel,  Reihe  um  Reihe  auf  die Dachlattung. „Wir schauen uns den Wetterbericht  immer  vorher  an und entscheiden dann, an welcher Turmseite  wir  heute  arbeiten“, verrät  Peter  Schudack.  Wenn  der Wind  im  Osten  zu  stark  weht, wird eben die Südseite eingedeckt. Schon als junger Geselle hatte er am Liebfrauenmünster in WolframsEschenbach zu tun. Damals half er
beim Decken des Dachs am Langschiff  der  über  600  Jahren  alten gotischen Hallenkirche. Beim Abstieg durchs Turminnere und durch den  Dachstuhl  findet  sein  Sohn Andreas später eine Erinnerung an diese Zeit. In Stein geritzt hatte sich Schudack vor über 30 Jahren dort
verewigt. Wahrscheinlich  wird  er das auch am neuen Kirchturmdach tun,  und  das  soll  dann  weit über 100 Jahre halten.

Andrea Franzetti Ein  Video  über  die  besondere Dacheindeckung  in  WolframsEschenbach  finden  Sie  unter: www.bistum-eichstaett.de/video

Paul Achim Zielinski im Gespräch mit  der  Kirchenzeitung  erklärt, handelt  es  sich  dabei  um  sogenannte starke Kirchenbiber. In der Werkhalle  wurden  an  kleinen Dachstühlen die Ziegel aufgelegt, die Wappen von Keramikmeistern aufgezeichnet,  glasiert  und  anschließend  ging  es  in  den  Ofen. Weit über 30 Stunden bei 1.200 Grad brannten die Ziegel dort, ehe sie auf
den Weg nach Mittelfranken gingen.Neben der Kirche in WolframsEschenbach stehen überall Gitterboxen.  Jede  enthält  ein  anderes Wappen,  das  sich  aus  bis  zu  400 Ziegeln zusammensetzt. Dachdecker Uwe  Büttner  hat  den  Überblick, darf als einziger die Boxen öffnen,
mit einem laminierten Plan in der Hand die Ziegel herausholen und sortieren.  Immer  nur  eine  kleine
Menge schickt er mit dem Lastenaufzug nach oben. 14.000 werden es am Ende sein. Eine Infografik
am Bauzaun zeigt, dass schon weit mehr als die Hälfte des 340 Quadratmeter großen Turmdachs eindeckt sind. Fast 10.000 Schrauben halten die Ziegel, sorgen dafür, dass sie bei  Regen,  Hagel  und  Sturm  da bleiben, wo sie hingehören. Das war beim alten Dach zuletzt nicht mehr
der Fall. Immer wieder seien Ziegel und Mörtelbrocken vom Turm gefallen, heißt es in dem Gutachten. Ins Rollen kam die ganze Baumaßnahme allerdings erst, als vor vier  Jahren  der  Wetterhahn  vom Dach  geholt  werden  sollte.  Mit einem  Hublift  wagte  sich  dabei
auch  Pfarrer  Scherzer  in  luftige Höhe.  „Das  hat  ganz  schön  geschwankt“, blickt er zurück. Einmal oben zeigten sich statische Schäden und fielen etliche lose Ziegel auf. Es  erfolgte  zunächst  eine  Notsicherung,  ehe  die  Planungen  für eine  Gesamtsanierung  begannen. Verschiedene Fördermöglichkeiten wurden  ausgelotet,  Gutachten  eingeholt, 
14.000 Dachziegel zieren demnächst wieder den Kirchturm in WolframsEschenbach. Sie zeigen traditionelle Wappen und Symbole und sind einzigartig. Ein neues Motiv ist der Bischofsstab Baustellenbesuch:(v. l.) Pfarrer Jochen Scherzer, Architektin Barbara Geißel und Dachdeckermeister Peter Schudack auf dem Baugerüst am Turm. Fotos: Franzetti
Dachdecken für Profis Beim Kirchturm in Wolframs-Eschenbach ist jeder Ziegel ein Unikat und hat seinen festen Platz

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